Vorsicht: ansteckende Krankheit
April 5, 2016
Die Situation annehmen heißt nicht aufgeben
Mai 10, 2016
Show all

Was für ein Streittyp bist du?

Kürzlich fragte mich eine Bekannte, ob ich denn, Paare immer kritisch beäugen würde – sozusagen immer durch die Brille des Paarberaters schaue

Nein natürlich nicht!

Wenn mir allerdings Wortfetzen wie „der/die Alte“ um die Ohren fliegen, wenn der Partner herunter gemacht wird – womöglich noch im Dabeisein von Freunden- wenn am Partner kein gutes Haar gelassen wird und die Giftpfeile nur so herumfliegen – dann brauche ich meine Brille gar nicht aufzusetzen.

Der Kommunikationsforscher John Gottman hat zum Thema Auseinandersetzungen eine kritische Studie erarbeitet. Über Jahre beobachtete er Paare bei ihrem Streit und konnte bereits nach 15 Minuten mit einer 85%igen Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob dieses Paar zusammenbleiben wird oder nicht. Er nannte diese Beziehungskiller, die sich als besonders zerstörerisch herausgestellt haben apokalyptische Reiter. Hier sind sie:

Der erste Reiter: (destruktive) Kritik

„Immer tust du das…“,
„auf Dich kann man sich nie verlassen“,
„du bist doch ein Waschlappen“, du bringst eh nichts auf die Reihe“.

Hier ist die Kritik mit destruktiven persönlichen Anklagen oder Verurteilung verbunden. Der Partner wird in seiner Person angegriffen. Gerne wird dabei generalisieriert (z.B. immermachst du das, nie kann ich mich auf dich verlassen….).

Wenn Paare sich so richtig fetzen, also ein verbaler Schlagabtausch stattfindet, heißt das jedoch nicht unbedingt, dass dies eine schlechte Beziehung sein muss, im Gegenteil. In der Regel sind dies Partner, die sehr individuell und eigenständig sind. Das was sie beschäftigt, muss raus. Wenn in einer Beziehung alles auf den Tisch kommen darf und die eigenen Bedürfnisse gelebt werden können findet ein lebendiger Austausch statt. Auch wenn das Konfliktpotential dieser Paare sehr hoch ist, unterscheiden sie sich von den vielen destruktiven „Rosenkrieger“ durch eine positive Grundstimmung oder Humor, die beide Partner verbindet.

In meiner Praxis empfehle ich ein ritualisiertes Gespräch, in dem nur einer sprechen darf – alles was ihn bewegt. Dann kommt der andere dran. Kein Kommentar, keine Zwischenbemerkung, einfach nur zuhören. Gerne lasse ich auch das Wesentliche des Gesagten wiederholen, das erhöht die Aufmerksamkeit.

Der zweite Reiter: Verachtung

Kennen wir alle irgendwie: Augen rollen, zur Decke schauen…
Deutlicher drückt sich Verachtung aus in zynischen Bemerkungen, oder verhöhnen des anderen. Dies steht meist in Zusammenhang mit negativen Gedanken über den anderen.
Abwertung ist übrigens auch eine Form von Verachtung. Nicht selten ist dies verbunden mit eigenen Selbstwertproblem. Denn wenn der andere herabgewürdigt wird, versetzt man sich selber in die überlegene, unfehlbare Position.

Wenn Verachtung in einer Beziehung überwiegt, wird viel Porzellan zerbrochen und die Beziehung hat sich eigentlich schon verabschiedet.

Der dritte Reiter: Rückzug / Mauern

Dieses Verhalten findet sich vorzugsweise bei Männern. Sie neigen eher dazu, den Gleichgültigen / Coolen rauszukehren und so zu tun als wäre nichts, pfeifen vor sich hin oder sie verlassen einfach den Raum, reagieren einsilbig, wechseln das Thema.

Dahinter mag die Unfähigkeit stecken, den Ärger oder Zorn angemessen zu äußern. Aber das Signal für den Partner ist eindeutig: Abbruch der Kommunikation. Dies hinterlässt bei Frauen eine starke Wirkung. Je nach Temperament reagieren sie mit erhöhten Emotionen – Schreien, Wutanfällen – um ihn aus der Höhle herauszulocken , oder sie resignieren. Dann allerdings sollte sich das Paar so langsam um Hilfe umsehen.

Der vierte Reiter: Rechtfertigung

„Ich habe dich gebeten, die Unterhosen nicht auf den Boden zu lassen , sondern in den Wäschekorb zu werfen“ –
„Und was ist mit deinen Schuhen? Immer stehen sie draußen herum“.

Hier wird der Ball sofort zurückgeworfen und gekontert im Sinne von: Angriff ist die beste Verteidigung. Häufig wird gar nicht erst verstanden, was der Partner sagen will und jegliche Verantwortung für den Konflikt wird von sich gewiesen. Es liegt auf der Hand, dass auch diese Form der Auseinandersetzung zu keiner Lösung des Problems führen wird

Ich füge noch einen fünfter Reiter dazu: Machtdemonstration

.Im Sinne von “Solange du die Füße unter unseren Tisch streckst …”
„wer zahlt schafft an“ usw.

Meist ist dies ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit wenn dieser „Joker“ aus dem Ärmel gezaubert wird. Einer Partnerschaft auf Augenhöhe ist dies sicherlich nicht förderlich.